PfalzTrail, 19.09.2015

Rainer Herberg gewinnt den HalfTrail im Leiningerland. Hier ist sein Erfahrungsbericht:

'Ich musste nicht lange überlegen als mich vor einigen Wochen ein Freund aus Düsseldorf ansprach ob ich nicht Lust hätte bei einem Traillauf in der Pfalz mitzumachen. Schon seit ein paar Jahren macht mir das Laufen abseits des Asphalts immer mehr Spaß und so nutze ich jede der wenigen Gelegenheiten, die ich habe, in den Bergen oder - wie in der Pfalz - zumindest im hügeligen Gelände zu laufen.

Wir fuhren also letzten Freitag nach der Arbeit Richtung Süden in die Pfalz. Unser Ziel hieß zunächst Weisenheim am Sand, wo wir bei einem Freund von mir übernachteten. Ich habe in der Gegend noch einige Bekannte, da ich mehrere Jahre in Mannheim wohnte und so kannte ich auch den Pfälzer Wald ein wenig vom mountainbiken. Zu der Zeit bin ich aber noch wenig gelaufen und so war es für mich Premiere die Gegend laufend zu entdecken.

Samstag früh ging es dann gemütlich Richtung Start um unsere Unterlagen zu holen. Start war für uns erst um 11, also konnten wir es entspannt angehen lassen. Andere waren hingegen schon deutlich früher auf der Strecke. Neben dem sogennanten Half-Trail mit 32,7 km und 770 hm den wir bestreiten wollten, gab es auch noch den Ultratrail mit 85,6 km und 2440 hm. Die Ultras sind schon um 6:30 los und das wohl bei strömendem Regen. Wir hatten dagegenen perfekts Läuferwetter. Um die 15°C und leicht bedeckt.

Ich hatte mir für den Lauf nicht wirklich etwas vorgenommen, es sollte eigentlich mehr ein Vorbereitungslauf für den Heidelberg-Marathon in  zwei Wochen werden. Dieser hat saftige 1500hm und so konnte mir ein Berglauf nicht schaden. Ich hatte zwar erst vor zwei Wochen meinen zweiten Transalpinelauf mit gut 15.000hm hinter mich gebracht, die gute Form von den Alpen wollte ich aber noch etwas konservieren.

Gleich nach dem Startschuss lief ich zügig aber nicht übermässig schnell los und erwartete wie sonst auch üblich dass jemand vorbeizieht. Es kam nur diesmal keiner und so lief ich erstmal vorne weg. Die nächsten drei Kilometer gingen mal auf Forststraßen mal auf schmalen Trails fast nur bergab und so zeigte die Uhr immer etwas um die 3:50 min/km an. Die ersten knackigen Anstiege kamen dann mit km 4 und km 7. Ich drehte mich anfangs noch häufig um und sah zwei Läufer in größerem Abstand, die aber nicht näher herankamen. Die Beine fühlten sich gut an und ich konnte selbst in den steileren Anstiegen noch laufen und die Pace ist maximal auf 5:40 min/km hoch gegangen.

Da es kein Führungsrad gab und sonst keinen vor mir, musste ich mich allein an den Markierungen (Pfeile, Trassierband) halten. Das Streckenteam hat das aber hervorragend hinbekommen und die gesamte Strecke perfekt markiert.

Die Strecke war vermutlich einer der schönsten die ich je gelaufen bin. Es gab kaum mal 100m die gleich waren. Immer wieder wechselte man von kleinen Waldwegen auf größere Forstwege und ständig ging es entweder auf oder bergab, rechts rum und wieder links rum. Immer wieder kreutze man zudem die Weinberge für die die Pfalz so berühmt ist. Und nicht zu vergessen der tolle Blick von oben ins Rheintal.

Die Kilometer flogen nur so dahin, jedesmal wenn ich auf die Uhr schaute war ich weiter als ich eigentlich vermutete. Ab Kilometer 20 sah ich auch niemanden mehr hinter mir.

Leider hatte ich kein Höhenprofil dabei und wusste nicht genau wieviele Anstiege noch kamen. Einen hatte ich noch grob in Erinnerung im letzten Drittel. Das passte auch noch. Was ich mir leider nicht gemerkt habe war, dass es die letzten 5km noch mal wellig nach oben ging. Meine Beine wurden immer schwerer und ich musste an den steilen Anstiegen auch gehen. Ich hatte die Befürchtung, dass der zweite noch an mir vorbeizieht.

Der letzte km ging dann aber zum Glück noch mal bergab und als ich mich umdrehte war kein Verfolger zu sehen und so überquerte ich glücklich nach 2:26:32 als erster das Ziel. Ich war super glücklich mit dem Ergebnis. Nur hat leider kaum jemand was davon mitbekommen. Es kamen gleichzeitg so viele Läufer von anderen kürzeren Läufen rein, dass selbst der Moderator mich mit einem lapidaren „Ach da kommt einer vom Halftrail“ begrüßte.

Bei der anschließenden Siegerehrung wurde das dann aber nachgeholt und ich erhielt neben einem dicken Pokal auch noch einen Gutschein über 150€ bei einem Sportladen. Nicht übel für einen Vorbereitungslauf. Jetzt kann Heidelberg kommen… :)'

 

Rainer bei der Siegerehrung